Zu einem Zwischenfall beim Umgang mit Chemikalien kam es am 30.08.2010 bei der Firma Remondis an der Heerstraße.

In dem Entsorgungsbetrieb war ein Gefäß mit rund 200 Litern Chlorsulfonsäure undicht geworden, so dass Teile des Stoffes austraten. Kurz nach 16.00 Uhr hatten Mitarbeiter der Firma in einer speziell ausgestatteten Halle routinemäßig den rund 200-Liter fassenden Behälter überprüft.

Beim Öffnen wurde ein Defekt bemerkt, aus dem die Chemikalie austrat. Chlorsulfonsäure ist wie alle Säurechloride sehr reaktionsfähig, mit Wasser reagiert sie heftig unter Umsetzung zu Schwefelsäure und Salzsäure. Rechtzeitig brachten sich die Mitarbeiter in Sicherheit und konnten die Anlage unverletzt verlassen. Auch die übrigen Mitarbeiter des Entsorgungs- und Aufbereitungsbetriebs für Chemieabfälle waren beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr außerhalb des Gefahrenbereichs.

Anfangs trieb durch leichten Nordost-Wind vom Firmengelände eine helle Wolke mit den freigesetzten Säureschwaden in leichter Konzentration ü

ber die Heerstraße in südliche Richtung.

Nach Eintreffen der ersten Kräfte wurde die Einsatzstelle weiträumig abgesperrt und es wurden umfangreich Maßnahmen zur Niederschlagung entstehender Dämpfe getroffen. In dem über fünfstündigen Gefahrguteinsatz konnte die Feuerwehr die weitere Reaktion des stark ätzenden Stoffes mit der Luftfeuchtigkeit verhindern und eine weitere Ausbreitung des Säurenebels verhindern. Der Behälter wurde in ein 800 Liter fassenden Überbehälter gestellt, dieses Überfaß mit Säurebindemittel gefüllt. Es kam beim diesem Umstellen zu einer Reaktion mit der Luftfeuchtigkeit (Rauch und Geruchsbildung).

Das gesamte Vorgehen an der unmittelbaren Einsatzstelle erfolgte unter Chemikalienschutzanzügen (CSA). Diese wurden anschließend vor dem Firmengelände dekontaminiert. Die Einsatzzeit ist für den Träger des CSA aufgrund der hohen körperlichen wie psychischen Belastung auf maximal 20 bis 25 Minuten begrenzt. Hinzu kommt noch die Zeit, die für die Dekontamination des Trägers benötigt wird. Eine nahe gelegene Tankstelle diente als Anfahrts- und Ausrüstungspunkt.

Vor Ort waren 27 Kräfte der Berufsfeuerwehr (BF), unter anderem mit dem GW-Gefahrengut und dem GW-Mess. Hinzu kamen die Freiwilligen Löschzuge Eickel mit dem den ELW 2, Mitte und Süd mit den Dekon-P, Sodingen mit einem SW2000 sowie der Löschzug Holsterhausen mit dem GW-Rett (Zelt für Pausen und Verpflegung), die FF stellte zusammen 48 Einsatzkräfte. Zwei Kräfte des LZ Bickern-Crange sorgten mit einem MTW für den Nachschub an Getränken und Verpflegung.

Die Heerstraße war für die Einsatzdauer als Anfahrtsfläche in Teilen gesperrt, ebenso wurden die Anwohner über Lokalradio und Lautsprecherdurchsagen der Polizei gebeten, Fenster und Türen als Vorsichtsmaßnahme geschlossen zu halten. Gegen 21:10 Uhr war der Einsatz beendet und die Einsatzkräfte konnten einrücken.

Während der gesamten Einsatzdauer besetzten weitere Kameraden der FF und BF die Gerätehäuser, um den Grundschutz im Stadtgebiet sicherzustellen. Unter Anderem besetzte eine Gruppe der Löschzüge Sodingen und Baukau zusammen Kameraden der Berufsfeuerwehr die Wache 1 an der Sodinger Straße. Insgesamt waren so 85 Kräfte der FF und 35 der BF im Einsatz bzw. in Bereitschaft.

In der Nacht wurden weitere Kontrollmessungen zur Vermeidung eines Brandes durchgeführt; schließlich waren bei der chemischen Reaktion zeitweise Temperaturen von mehr als 100 Grad entstanden.

Wie die örtlichen Medien berichten, hat der Chemieunfall nach Angaben der Firma und der Bezirksregierung Arnsberg als Aufsichtsbehörde keine Folgen, die die Gesundheit der Belegschaft oder der Anwohner gefährden könnten. Die Reste der ausgetretenen Chemikalie wurden aufgefangen, mit Bindemitteln behandelt und können nun entsorgt werden, so dass keine Gefahr mehr von der Unfallstelle ausgeht.

Dekontaminationsplatz – ein paar zusätzliche Informationen

Auf einigen der Fotos ist der Betrieb des so genannten „Dekon-Platzes“ zu sehen, also jenem Bereich, durch den jede Einsatzkraft das Betroffene Gebiet wieder verlässt. Hier ein kurzer Bericht des Löschzuges Mitte über Ihre Erfahrungen bei dem Einsatz:

Die Aufgabe war es, den Dekon-Platz zu betreiben, dazu den bis zum Eintreffen vorgefundenen Aufbau zu ergänzen und das Areal abzusperren.

Im sogenannten „Schwarzbereich“, also jenem Bereich, an dem die Einsatzkräfte von der Einsatzstelle zurückkehren, erfolgt dazu zunächst die Vorreinigung der ankommenden Personen. Zur Sicherheit wurden die für diese Reinigung zuständigen Kameraden mit Schutzanzügen und Filermasken ausgerüstet, um bei der Vorreinigung der zurückkehrende Einsatzkräfte selber geschützt zu sein. Anschließend geht es in das Duschzelt, wo die Einsatzkräfte gründlich gereinigt wurden.

Nach dieser Nassreinigung wurde im „Weißbereich“ den Kameraden geholfen, den Chemiekalienschutzanzug auszuziehen, dieser wurde anschließend in einem speziellen Beutel bis zur endgültigen Reinigung sicher verstaut.

Eine weitere Aufgabe war es, 4 Mann unter CSA direkt am Fass mit Säurebindemittel zum Einsatz zu bringen und einen Sicherungstrupp zu stellen. Eine nicht alltägliche Aufgabe. Insgesamt wurden seitens des LZ Mitte 4 Mann unter Filtergeräten und 4 Mann unter CSA eingesetzt sowie der Dekon-Platz betrieben.