Seit Tagen, ja inzwischen Wochen, hält das Hochwasser an Inn, Donau, Elbe, Mulde, Saale, Havel und anderen Flüssen in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Meckelnburg-Vorpommern, Niedersachen und Schleswig-Holstein die Menschen in unserem Land in Atem. Es ist nach 2002 die zweite Flut, die den Namen „Jahrhundertflut“ verdient hat.

Verursacht durch extreme Niederschläge liefen Anfang Juni 2013 zunächst die Flüsse in Bayern und Österreich, Tschechien und Sachsen über. Später breitete sich die Flut über Sachsen-Anhalt Richtung Norden aus. Während Dresden – wohl auch Dank Flutungsflächen in Tschechien – glimpflicher davon kam als zunächst gefürchtet, traf es Grimma aufgrund noch nicht vollendeter Hochwasserschutzbaumaßnahmen wie 2002 besonders hart. Aber selbst ein „glimpflicher“ Verlauf hinterlässt vielerorts viele ernsthaft Betroffene und vernichtete Existenzen!

Einsatzgebiet Sachsen-Anhalt

Äußerst ungewöhnlich war die hohe Flut an der Saale, die der Stadt Halle a.d. Saale, die höchste Flut seit 400(!) Jahren bescherte, wo in der auf Sumpfgebiet gebauten Halle-Neustadt der Grimnitzer Damm gehalten werden konnte. Das nahezu zeitgleiche Zusammentreffen der Flutscheitelwellen von Saale und Elbe südlich von Magdeburg sorgte einerseits für erhebliche Überschwemmungen in Magdeburg-Rothensee, infolge von Deichbrüchen ferner zu katastrophalen Überschwemmungen in der Region rund um Aken zwischen Dessau und Magdeburg und in Fischbeck bei Tangermünde nördlich von Magdeburg. Bei Aken wurde ein Deich gesprengt, um den Wasserabfluß Richtung Norden zu erleichtern; bei Fischbeck zwei Schubkähne per Sprengung versenkt, um eine Lücke in einem Deich zu schließen. Ferner wurden die Havelpolder geflutet.

In Sachsen Anhalt waren und sind aktuell (16.06.2013) Feuerwehrkräfte aus NRW im Einsatz. Während Magdeburg Helfer, etwa aus Köln, verabscheiden konnte, trafen „frische“ Feuerwehrleute aus Recklinghausen und Gelsenkirchen am 14.06.2013 in dem Bundesland ein, die heute noch dort helfen. Eine Woche zuvor wurden bereits aufgrund entsprechender Anfrage über das Innenministerium NRW knapp 300 Kräfte der Feuerwehren der Kreise Münster, Steinfurt und Warendorf mit ca. 30 Fahrzeugen dorthin entsandt. Aus dem Regierungsbezirk Arnsberg wurden weitere Bereitschaften in Reserve bereit gehalten. Auch Helfer der DLRG, des THW, DRK und anderer Katastrophenschutzorganisationen und der Bundeswehr waren im Einsatz. Unter anderem waren mehrere THW-Helfer aus Herne im Einsatz. Deiche waren und sind zu sichern, Menschen zu evakuieren oder zu versorgen, Wasser abzupumpen – das Einsatzspektrum ist vielfältig!

Einsatzgebiet Niedersachsen

Während in anderen Ländern die Flut teils ohne Vorlaufzeit die Menschen überraschte, hatte Niedersachsen den „Vorteil“, sich frühzeitig vorbereiten zu können. Aber auch dort erreichten die Pegel Extremwerte, am 12.06.2013 um 06.00 Uhr 7,93m (5,14m über MW) in Neu Darchau, 11,85 Bleckede (4,96m über MW) und 9,57m (4,60m über MW) im nördlich angrenzenden Hohnstorf/Lauenburg (Schleswig-Holstein). In Lauenburg wurden zwischenzeitlich 10,10m erwartet, die aber wohl auch wegen der Deichbrüche in Sachsen-Anhalt nicht erreicht wurden. In den entsprechenden Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Die Elbinsel Hitzacker wurde evakuiert, aber dank erfolgreicher Sicherungsmaßnahmen nicht überflutet, während die evakuierte Altstadt von Lauenburg nicht wasserfrei gehalten werden konnte.

Bereits mehr als eine Woche vor Eintreffen der Flutscheitelwelle wurden Schulen in Unterkünfte für 2.000 Feuerwehrleute aus Niedersachsen eingerichtet, später weitere für Helfer aus anderen Bundesländern. Aus NRW wurden die Bereitschaften 5 und 3 der Bezirksregierungs Arnsberg im Rahmen der vorgeplanten überörtlichen Hilfe am 06.06.2013 entsandt, mithin zunächst 279 Kräfte der Feuerwehren Dortmund,Ennepe-Ruhr-Kreis, Hamm, Unna und Soest, sowie 12 Kameraden aus Bochum für die Mobile Führungsstelle, in insgesamt 90  Fahrzeugen. Die Bereitschaft 2, Herne und Bochum, hielt weitere Kräfte für den Bedarfsfall abmarschbereit in Reserve.

Aufgabe war die Sicherung des Deiches im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Zunächst musste der Deich wegen des erwarteten Pegels mit Sandsäcken um 50-80 cm aufgestockt werden. Um den Ablauf aufsteigenden Grundwassers hinter der Deichlinie sicherzustellen, mussten Ablaufrinnen freigespült werden. Auch mussten 35.000 Sandsäcke in der Sandgrube Tramm gefüllt und abtransportiert werden. Außergewöhnlich war auch die enorme Beteiligung der Bevölkerung, die hier aus der ganzenRegion zum Füllen der Sandsäcke gekommen war. In Neu Darchau wurde zusammen mit der Bundeswehr ein eilig erbauter Notdeich mit Sandsäcken, Viesplanen und Stahlgittermasten gesichert. Mit Booten wurde Treibgut aus der Elbe gefischt, um Beschädigungen zu vermeiden. Probleme bereitete die zunehmende Durchweichung der Deiche, weshalb Sandsäcke zur Entlastung derselben wieder abgebaut werden mussten, jedoch wegen mangelnder Befahrbarkeit des Hinterlandes nunmehr mehrere hundert Meter „zu Fuß“.

Einsatz Ende?

Zum Wochenende konnten die Kräfte der Arnsberger Bereitschaften mit Dank nach Hause entlassen werden. Es bleibt zu hoffen, dass die durchweichten Deiche in Niedersachsen – aber auch anderswo – halten! Aus den Nachbarstädten Hernes befinden sich zur Zeit (16.06.2013) beispielsweise noch die Feuerwehren Gelsenkirchen und Recklinghausen im Einsatz in den neuen Bundesländern. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Die Lage bleibt angespannt, auch nach den geglückten Deich- und Schiffssprengungen in Sachsen-Anhalt. In Niedersachsen wurde der Katastrophenalarm heute aufgehoben und die Bewohner konnten in die evakuierten Orte zurück. Aber für Entwarnung ist es aufgrund der durchweichten und stark belasteten Deiche in beiden Einsatzregionen noch zu früh.

Unglaubliche Solidarität

Was bleibt, ist der Eindruck unglaublicher Solidarität! Aus dem ganzen Bundesgebiet fuhren nicht nur zigtausende Helfer der Katastrohenschutzorganisationen auf Anforderung in die betroffenen Regionen. Viele Bürger fuhren spontan nach entsprechenden Internet-Aufrufen zu Sandsack-Auffüll-Stationen und halfen tatkräftig mit. Andere organisierten Getränke und Verpflegung für die Helfer am Deich oder halfen in Auffanglagern für Evakuierte. Wiederum andere leisteten Geldspenden.

Sie verkörpern damit einen Grundgedanken der Freiwilligen Feuerwehr, das Motiv ihrer Gründung vor über hundert Jahren: „Gott zur Ehr‘ – dem nächsten zur Wehr!“ An dieser Stelle vielen Dank an alle Beteiligten, gleich ob vor Ort oder in Bereitschaft. Dank auch an die Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter nicht nur aus gesetzlicher Verpflichtung sondern aus Überzeugung freigestellt haben!

Die Katastrophe zeigt aber auch: Es werden immer vor allem ausgebildete Kräfte mit entsprechender Ausrüstung gebraucht, oft mehr als ein einzelnes Bundesland einsetzen kann, ohne die örtliche Gefahrenabwehr in den Heimatorten zu gefährden. Allein mit bezahlten Kräften ist dies unmöglich – dies geht nur mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehren. Schadenslagen größeren Ausmaßes, gleich ob Unwetter, Massenveranstaltungen oder Großbrände, erfordern ausgebildete freiwillige Kräfte. Leisten auch Sie ihren Beitrag in der freiwilligen Feuerwehr – Unser Einsatz ist auch Dein Einsatz! Mehr dazu finden Sie auf den Seiten Dein Einsatz!

Bildergalerie

Der Landkreis Lüneburg und der Norddeutsche Rundfunk haben Bildmaterial aus dem Einsatzgebiet der Bereitschaften unserer Bezirksregierung zusammengestellt:

Landkreis Lüneburg

Norddeutscher Rundfunk