Auf Einladung des Brandinspektors Falko Tietz besuchte ein Redakteur der Internet-Redaktion des Stadtfeuerwehrverbandes Herne e.V., Arne Begrich,zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern des Löschzuges Baukau, Dustin Gongoll und Florian Gaertig, das Emirat Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die gerade ihren 42. Nationalfeiertag feierten. In der Fire Station AlBateen in der Hauptstadt der VAE konnten wir uns am 05.12.2013 von der Arbeit der Emirates Fire and Rescue Company (EFRC),für die Falko Tietz arbeitet,  und der Abu Dhabi Civil Defence (ADCD) überzeugen. Zugleich berichtete uns Falko Tietz von seinen Erfahrungen in Abu Dhabi:

Salam aleikum, vielen Dank für die Einladung! Du bist ja jetzt fast ein Jahr hier. Der Empfang auch von den einheimischen Mitarbeitern, den „Locals“ hier, war ja sehr herzlich.

Aleikum Salam, ja das stimmt. Auch mich haben sie damals, im Januar 2013, sehr herzlich aufgenommen. Sie sind hier stets sehr zuvorkommend und versuchen bei jeder geeigneten Gelegenheit, einen einzubinden. Auch dem Servicetechniker von Rosenbauer ist es gestern passiert, dass er erstmal eingeladen wurde, am Frühstück teilzunehmen, so wie Ihr zum Tee.

Apropos, Aufnahme, wie bist Du an die Stelle gekommen?

Ende Juni 2012 habe ich mich per eMail bei der EFRC als Firefighter beworben. Die Voraussetzung hierfür war die Qualifikation als Gruppenführer. Das Bewerbungsgespräch erfolgte zwei Wochen später via Skype. Ende November 2012 kam dann die Zusage, nachdem die Behörden der VAE ihr Okay gegeben haben. Am ersten Tag hier, dem 16.01.2013, musste ich zur Gesundheitsuntersuchung im Police Hospital: Sehtest, Blutdruck, Blutbild und Röntgen. Eine Woche später kam dann die Freigabe.

Was sind Deine Aufgaben hier?

Eigentlich hatte ich mich als Firefighter bei der Quick Intervention Unit der EFRC beworben. Aber dann erhielt ich die Möglichkeit, im EFRC-Team der ADCD im laufenden Betrieb an einer Feuerwache die Einführung und Vermittlung der Dienstvorschriften nach deutschen Normen (FwDV) voranzutreiben. Ich arbeite als Berater des Zugführers, nehme an den Einsätzen teil und unterstütze aktiv den jeweiligen Zugführer beratend und koordinierend bei den Einsätzen. Zu meinen Aufgaben gehört auch de facto die Vermittlung des richtigen Umgangs mit Atemschutzgeräten einschließlich der Tätigkeiten des Atemschutzgerätewartes. Ferner auch das Fahrzeugmanagement, z.B. Beladung, Einsatzbereitschaftsherstellung, Organisation von Reparaturen und Ersatz. Das geht oft über bloße Beratung hinaus – schließlich sollen über 150 Jahre Erfahrung im Feuerwehrwesen von den Kollegen hier in wenigen Jahren aufgeholt werden.

Hast Du hier noch ein spezielles Training erhalten?

Ja. Wir haben von unserem Teamhead eine mehrtägige Unterweisung in die örtlichen Gegebenheiten erhalten. Zuerst wurden wir in der Bekämpfung von Hochaus-, Schiffs- und Flugzeugbränden geschult. Anschließend wurde das Wissen in einem Planspiel umgesetzt. Schließlich sind wir durch Abu Dhabi gefahren und haben uns diverse Besonderheiten angeschaut.

 Du arbeitest ja hier für die „Feuerwehr“, wie genau verhält sich das mit EFRC und ADCD?

Normalerweise ist die Feuerwehr Aufgabe des Emirates und wird durch die jeweilige Civil Defence durchgeführt. Aufgrund diverser Ereignisse wollte man in Abu Dhabi das Feuerwehrwesen verbessern. Man schaute sich in der Welt um, und fand das deutsche System als am besten geeignet. Da dies erst einmal nur im Alleingang in Abu Dhabi erfolgen sollte, wurde die Emirates Fire and Rescue Company (EFRC) gegründet. Die Emirates Fire And Rescue Company (www.emiratesfire.ae) ist eine Firma im Besitz der Polizei und des Innenministeriums Abu Dhabi, die u. a. die Technical Rescue and Quick Intervention Units of Abu Dhabi Police GHQ – QI – im Emirat Abu Dhabi unterhält und in den Emiraten Sharjah, Ajman, Ras Al Khaimah und Fujairah die jeweiligen Civil Defence Einsatzkräfte unterstützt.
Da aber auch die Kräfte der Civil Defence Abu Dhabi nach dem deutschen System arbeiten sollen, wurde ein EFRC Projekt dort angesiedelt. Auf den vier meistbeschäftigten Wachen in Abu Dhabi (Al Bateen, Al Madeena, Al Quobisat und Mussafah) befinden Sich Zugführer der EFRC um die Locals zu unterstützen. (www.emiratesfire.ae/index.php?option=com_k2&view=item&layout=item&id=81&Itemid=242&lang=de)

Wie gestaltet sich der Arbeitsalltag?

Jeden Tag erlebt man was Neues. Manchmal sind statt 19 Leuten morgens weniger als die Hälfte da. Man begegnet einer eigenen Mentalität, freundlich, verbindlich, aufrichtig im persönlichen Miteinander und von Gottvertrauen geprägt. Persönliche Verbindlichkeit ist hier wichtiger als die schematische Einhaltung von Formvorschriften und Pünktlichkeit um ihrer selbst willen. Zur Sicherheit Aller bedarf es jedoch im effektiven Feuerwehrdienst klarer Regelungen beispielsweise durch schematisierte Ausbildungsstandards für den Einsatz aber auch im Alltagsbetrieb, etwa in der Qualität einer funktionierenden Atemschutzwerkstatt. Dies ist eine kulturelle Umstellung, die Zeit braucht.

Wie funktioniert das hier mit der Alarmierung?

Ein großes Problem bei der Alarmierung sind hier die nicht eindeutigen Straßennamen. Früher waren die Straßennamen arabisch, später englisch, Straßennamen wiederholten sich bisweilen. Dann wiederum wurden die Straßen einfach nummeriert, aber nur die großen Straßen. Die kleinen wurden später auch nummeriert, aber das führte dazu, dass man zum Teil die „2. Straße“ fünfmal im Stadtgebiet hat. Folglich müsste auch der Sektor angegeben werden. Oft hat man dann nur die ergänzende Information „Fire, 4th Street, near Alis Barber Store, Mobile-Phone-Number…“. Erschwerend ist auch, dass es hier kaum Namen oder Briefkästen an Häusern gibt. Statt dessen läuft hier – auch im Alltag – alles nur mit Handynummern. Die Leitstelle ist für das gesamte Emirat zuständig und die meisten Einsatzkräfte kommen aus anderen Emiraten, wobei Dubai (130 km) noch nahe ist, so fehlt oft auch die Ortskenntnis.

Also doch einiges anders als bei uns daheim. Sind denn Fortschritte bei der Arbeit erkennbar?

Ja. Das Problem mit den Straßennamen bessert sich; erst in den letzten Tagen wurden neue Straßennamenschilder aufgestellt. Aber auch die EFRC konnte einiges erreichen. In der Arbeit der EFRC konnten bislang über 2000 neue Feuerwehrmänner nach deutschen Feuerwehrdienstvorschriften erfolgreich ausgebildet werden. Nur ein kleines Beispiel: Wurden Atemschutzmasken nach einem Einsatz früher nur mal eben mit Wasser gespült und Flaschen auf 0 Bar leer geatmet und dann offen gelagert, setzt sich inzwischen ein bewussterer und sicherer Umgang mit diesen Geräten durch. Noch erfolgreicher könnten wir sein, wenn die EFRC alle 24-Stunden-Schichten besetzen könnte, aber es fehlen genug qualifizierte Bewerber. Daher arbeiten die europäischen EFRC-Kräfte nach einem Modell mit einer Art Mischung aus Tagesdienstschichten und 24h-Schichten im monatlichen Wechsel.

Aber die Bezahlung ist doch Attraktiv?

Nun, das Gehalt beträgt zur Zeit 16.170 AED (ca. 3.200 EUR) zzgl. kostenfreier Wohnung und 30 Tagen Urlaub. Bei Vertragserfüllung bis zum Ende der Vertragslaufzeit erhält man den Rückflug und eine Erfüllungsprämie von 5,75% aller gezahlten Gehälter.

Wie ist die technische Ausstattung?

Die ist sehr gut. Man erhält eine eigene Schutzausrüstung von deutschen Herstellen. Die aktuellen Fahrzeuge stammen überwiegend von Rosenbauer und die meisten Pressluftatemgeräte von bekannten deutschen Herstellern, insbesondere Auer und Dräger. Die Wache AlBateen beispielsweise verfügt an Fahrzeugen über einen Standard Platoon, bestehend aus einem Command Car, neuerdings in Form eines Light Rescue Vehivels (Voraus-Klein-Hilfeleistungslöschfahrzeug), einem Fire+Rescue Truck (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF20) und einem Tanker (Staffeltanklöschfahrzeug StTLF 20/70) mit 7.000 l Wasser und 500 l Schaummittel. Dazu kommen hier ein Bronto 54m-Skylift (Teleskopmast), ein Gerätewagen Atemschutz und ein weiteres HLF20.

Wie sieht das mit Deinen Fortbildungen aus?

Wir hatten hier eine ganze Woche lang Fortbildungen an der Civil Defence Academy. Es wurden ein Planspiel sowie eine Stabsübung mit einem Störfall in der petrochemischen Industrie als Thema durchgeführt. Ferner die jährliche Atemschutzgeräteübung. Den Rest der Woche verbrachten wir in den Übungsanlagen, wo wir z.B. Hausbrände und Verkehrsunfälle mit brennendem Tanklaster und eingeklemmten Personen sowie Übungen im Flashover-Container durchführten. Und das alles bei 50 Grad Celsius im Schatten!

Mit DER Ausrüstung arbeitet man gerne als Feuerwehrmann. Was kannst Du zum Einsatzgeschehen sagen?

Im ersten Jahr hatte ich bislang 108 Einsätze, mehr als in der Freiwilligen Feuerwehr Herne. Erst gestern hatten wir einen Einsatz in einem großen Einkaufszentrum, das noch immer infolge des Brandes geschlossen ist. Im Tagesgeschäft ist es an dieser Wache AlBateen dabei noch relativ ruhig. Hier sind viele Botschaften und private Villen und Paläste. Hier wirkt vor allem eine Präventionsmaßnahme der Abu Dhabi Civil Defence: Feuerlöscher in jeder Küche, die zum Teil kostenlos verteilt wurden. Im Übrigen sind auch in Autos Feuerlöscher Pflicht. Zu meinen spektakulärsten Einsätzen gehörte sicherlich die Rettung zweier Fensterputzer, deren Gondel abgestürzt war und nur noch an einem Bremsseil hing. Die Gondel hing mit einem Mitarbeiter am 14. Stockwerk. Der Andere Mitarbeiter im 17. Stockwerk konnte mangels Höhenrettern nur durch Einschlagen der Glasfassade von Innen gerettet werden. Mangels freiwilliger Feuerwehren, fährt die EFRC oft Verstärkungseinsätze, zum Beispiel bei einem Trafobrand im industriell geprägten Stadtteil Musaffah (dort waren mehr als 160.000 Liter Öl unter Druck brennend ausgetreten) oder bei dem Brand eines Hochhausrohbaus über mehrere Etagen.

Beeindruckend. Würdest Du auch Anderen diesen Schritt empfehlen?

Ja, als Erfahrung auf jeden Fall! Man sammelt wertvolle Erfahrungen, nicht nur feuerwehrtechnisch. Und die Bezahlung ist auch attraktiv. Aber auf Dauer möchte ich das persönlich nicht machen, denn es fehlen Heimat, Familie, Freunde und die Kameraden der Feuerwehr Herne!