Wie in allen anderen Städten und Gemeinden war und ist auch in unserer Stadt der Aufbau des Feuerlöschwesens eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung verbunden. Lässt sich die Geschichte unseres Löschzuges leider nur unvollkommen nachvollziehen, so ist es jedoch eindeutig, dass gerade die wirtschaftliche Entwicklung in Herne um die Mitte des 19. Jahrhunderts mitverantwortlich für die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr im September 1877 war.

Die Freiwillige Feuerwehr in der Gründerzeit

Vor dieser Gründung gab es neben der Verpflichtung der Bürger mit Feuereimer und Feuerhaken zur Brandstelle zu eilen (westfl. Feuerlöschordnung von 1841) bereits eine Feuerspritze. Die Anschaffung dieser fahrbaren Druckspritze mit ca. 30 Meter langen, ledernen Schläuchen und einem 2 Meter langen kupfernen Strahlrohr fällt vermutlich an den Anfang des vorigen Jahrhunderts. Obwohl neben dieser Spritze (Standort: Ecke Höfe- und Gartenstraße) eine weitere 1860 angeschafft wurde (Standort Kalkstraße) und zusätzlich in der alten evangelischen Kirche 2 große Feuerhaken, 20 lederne Feuereimer sowie eine Brandleiter zur Verfügung standen, wurde verantwortungsbewussten Bürgern klar, dass dieser Feuerschutz nicht ausreichend sein kann. In den 3 bis 4 Stock hohen „modernen“ Neubauten und den entstehenden Fabrikanlagen der damaligen Zeit war eine wirksame Brandbekämpfung mit den bis dahin angeschafften Geräten und ohne eine geübte Mannschaft einfach nicht mehr möglich.

Die dann unter dem Amtmann von Bock gegründete Wehr – die Gründung war mit einer von der Mitgliederversammlung einstimmig gebilligten Satzung am 7. September 1877 abgeschlossen – stellte sich die Aufgabe, die Spritzen zu bedienen, Menschen und Mobiliar aus Feuersgefahr zu retten, das verschonte Eigentum zu bewachen und die Ordnung auf dem Brandplatz aufrecht zu erhalten. Nach diesen Aufgaben wurde die Wehr in Steiger-, Spritzen- und Aufsichtscorps eingeteilt. Spenden aus der Bevölkerung und den Industriebetrieben sowie ein Vorschuss von 750 Mark aus der Gemeindekasse standen mit einer Gesamtsumme von 4.589,41 Mark der neuen Wehr zur Anschaffung von Geräten zur Verfügung. Die Uniformierung erfolgte auf Kosten der Kameraden.

Nach dem Ausscheiden des Gründers, Amtmann von Bock, 1879 aus der Gemeinde übernahm der damalige Amtmann von Ueckendorf, Hauptmann a. D. Schaefer die Leitung der Wehr bis 1907. Unter seiner Leitung trat man dem rheinisch-westfälischen Feuerwehrverband (1879) und der Unfallkasse der Provinz Münster (1884) bei. Ferner zeichnet der Hauptmann a. D. Schaefer, gleichzeitig 1. Bürgermeister, für das erste Ortsstatut über das Feuerlöschwesen vom 20. Juli 1906 verantwortlich. Dieses Statut unterstellte das gesamte Feuerlöschwesen der Oberleitung des Ortspolizeiverwalters und übertrug den Löschdienst der Freiwilligen Feuerwehr. Gleichzeitig wurde bestimmt, dass Geräte und Ausrüstungsstücke auf Kosten der Stadt beschafft werden.

Am 1. September 1907 verließ der Wehrleiter und Oberbürgermeister Schaefer Herne, um sich in Darmstadt zur Ruhe zu setzen. Sein Nachfolger wurde bis 1922 Branddirektor Hirdes, der insbesondere auf die tatkräftige Förderung der übernommenen Wehr bedacht war. In die Amtszeit des Branddirektors Hirdes fiel insbesondere 1908 die Bildung eines weiteren Löschzuges durch die Eingemeindung von Baukau und Horsthausen sowie die Aufrechterhaltung der Wehr während des 1. Weltkrieges aus dem fünf Kameraden nicht zurückkehrten.

Als Branddirektor Hirdes sein Amt am 27. März 1922 an den Oberbrandmeister Hoppe weitergab, wurde er wegen seiner hervorragenden Verdienste zum Ehrenchef mit dem Recht, seine Uniform weiter tragen zu dürfen, ernannt.

Der neue Mann an der Spitze der Herner Freiwilligen Hoppe – seit Amtsantritt nun Branddirektor – regelte zunächst die Schwierigkeiten und „Rangeleien“ mit der französischen Besatzungsmacht vom Januar 1923 bis zum Sommer 1925, wie uns aus überliefertem Schriftverkehr bekannt ist, überaus erfolgreich. Nach dieser Zeit setzte er sich besonders für die Motorisierung der Wehr ein und konnte auch gegenüber der Stadtverwaltung seine Forderungen durchsetzen:

Der Löschzug im Jahre 1924

1923: Anschaffung einer „benzin-automobilen Motorspritze“ (40/70 PS) mit 2000l Minutenleistung.

1926: Umbau eines guterhaltenen Vormag-Schnell-Lastwagens (35/40 PS) nach eigenen Plänen zum „benzin-automobilen Mannschafts- und Rettungswagen“, dann aber bereits im Dezember des gleichen Jahres der Kauf eines, auf das modernste ausgerüstet, „Elite-Krankenwagens“.

1927: Kauf einer „benzin-automobilen Magirus-Patent-Drehleiter“ (40/70 PS, 26 m Steighöhe, 4-teilig) als das damals Modernste und Vollkommenste auf dem Gebiet des Motorleiterbaues, und ebenfalls

1927: als weitere Anschaffung eine tragbare Motorspritze

Außerdem verfügten die Freiwilligen 1927 über

* eine pferdebespannte Magirus-Drehleiter mit Kohlensäurebetrieb, 22m Steighöhe
* eine pferdebespannte Handspritze
* zwei pferdebespannte Mannschaftswagen und
* ca. 2500 m Schlauchmaterial.

Zur Bedienung und Pflege der Geräte – insbesondere der Automobile – werden 1927 vier Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr als Kraftfahrer für das Depot an der Breddestraße von der Stadt eingestellt. Ein weiteres Depot existierte an der La Roche-Straße in Baukau.

Depot an der Breddestraße

Die Brandmeldungen können bereits seit 1927 telefonisch erfolgen. Für die Alarmierung – 1913 noch durch Trompetensignal und Glockengeläut – wurden 45 Weckerlinien eingerichtet, damit eine geringe Ausrückezeit (über Tag max. 2, nachts max. 3 Minuten) gewährleistet und die notwendige Mannschaft (stets 20-30 Mann) zur Stelle war. Als Branddirektor Hoppe 1929 starb, wurde Branddirektor Knapp der Nachfolger bis das Amt 1932 vom Branddirektor (später Kreisfeuerwehrführer) Jöllenbeck übernommen wurde.
Die zu Beginn des 2. Weltkrieges 143 Mann starke Feuerwehr – aus politischen Gründen zur Feuerschutzpolizei umfunktioniert – löste sich durch die Einberufung zum Wehrdienst und dem am 01.09.1939 aufgerufenen Luftschutz praktisch auf. Der Feuerschutz wurde während des Krieges zunächst vom Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD), dann wieder von einer Feuerschutzpolizei übernommen. Von den 9 bis dahin hauptamtlichen Feuerwehrmännern der Freiwilligen Feuerwehr blieben nur 3 in Herne zurück. Kurz vor Kriegsende wurden alle Uniformen der Freiwilligen Feuerwehrmänner eingezogen und dem Volkssturm übergeben.

Nach dem Einmarsch der alliierten Truppen wurde die Feuerschutzpolizei aufgelöst. Gleichzeitig legte der Führer der Feuerwehr seinen Dienst nieder. Um jedoch den Feuerschutz unmittelbar nach dem Kriegsende zu gewährleisten, wurden von der Stadt 14 neue Feuerwehrmänner eingestellt.
Weil fünf Kameraden im Feld den Tod fanden, zwei weitere wurden vermisst, viele Kameraden noch in Gefangenschaft waren oder aber auch das Interesse an der Feuerwehr verloren hatten, fand sich nur eine kleine Gruppe von Freiwilligen Feuerwehrmännern wieder. Mit viel Idealismus dieser Kameraden, unter der Führung des Stadtbrandmeisters Köhlhoff (seit Kriegsende ernannt), gelang es zunächst, eine Wehr von 30 Männern aufzubauen und die in Breckerfeld während des Krieges untergestellten Fahrzeuge zurückzuholen. Obwohl die Stadt diese Männer, die in Zivilkleidung mangels Uniformen Dienst taten, bei der Ausübung der örtlichen Löscharbeiten nicht unterstützen konnte, leisteten diese darüber hinaus noch gegenseitige Nachbarschaftshilfe in Bochum, Recklinghausen sowie Wanne-Eickel und waren auch für den notwendigen Feuerschutz in Castrop-Rauxel zuständig.

Aus dem Protokoll einer Dienstbesprechung vom 10.04.1946, in der die Neuordnungen des Feuerlöschwesens in Herne bekannt gemacht wird, ist die Bildung der „neuen“ Freiwilligen Feuerwehr herauszulesen:
Danach sollten in der Stadtmitte neben der Stammmannschaft (Hauptamtliche Kräfte unter Leitung von Oberbrandmeister Rhode) zwei Züge aufgestellt werden. Die Leitung der Züge wurde Gustav Schröder und Hugo Schröder übertragen.

Während der Währungsreform 1948 bestand dann wieder für die Gemeinde die Möglichkeit die Freiwilligen Feuerwehrmänner zu unterstützen, die bis dahin schon enorme Leistungen in der Materialbeschaffung, besonders aber in der Materialerhaltung, gezeigt hatten. Auch die Weckerschleifen, durch den Krieg zerstört, wurden instandgesetzt.
Durch das Gesetz über den Feuerschutz in NRW vom 02.06.1948 wurde dann letztendlich die Freiwillige Feuerwehr zum Bestandteil der öffentlichen Einrichtungen unserer Stadt, in deren Auftrag sie tätig wird. Schon in den frühen 50iger Jahren konnte man die Herner Freiwillige Feuerwehr unter der Leitung des Stadtbrandmeisters Köhlhoff als „gesund und stetig wachsend“ bezeichnen, wie aus den Bestandangaben der Tätigkeitsberichte zu entnehmen ist.

Fahrzeuge an der Bredestraße 1952

Die Nachfolge von Karl Köhlhoff, der 1956 verabschiedet wurde, trat am 07.09.1956 Stadtbrandmeister Schüring an. Kurze Zeit später erfolgte auch ein Führungswechsel bei den von Gustav und Hugo Schröder übernommenen und schließlich zusammengelegten Zügen durch Ernst Trösken, der den Löschzug Herne-Mitte bis Februar 1989 führte.

Die Umwandlung der hauptamtlichen Freiwilligen Feuerwehr in eine Berufsfeuerwehr (17.08.71) sowie der Umzug von der Breddestraße in das neue Gebäude an der Sodinger Straße fiel in die Amtszeit des Stadtbrandmeisters B. Pieper, der die Nachfolge von Stadtbrandmeister Schüring am 30.09.1968 antrat und erst kurz vor der kommunalen Neugliederung (1975) an Willi Pohlmann, unserem ehemaligen Oberbürgermeister, übergab. Nach dem Zusammenschluss der Städte Herne und Wanne-Eickel folgte Alfons Stolte, bis dahin Leiter der Wanne-Eickeler Wehr, an die Spitze der (Gesamt-) Herner Feuerwehr. Nach seinem plötzlichen Tod am 16.06.1975 im Alter von 46 Jahren leitete BOAR Willi Sauer mit seinem Stellvertreter BOAR Friederich Hoppe die Geschicke der Herner Feuerwehr bis zum 30.11.1991.

Seit dem 01.12.1991 ist der Diplom-Chemiker Michael Benninghoff Leitender Branddirektor der Herner Feuerwehr. Er wurde bis Mai 2003 von BOAR Kurt Friedrich vertreten.
Neben den beiden Wachen mit rund 150 Berufsfeuerwehrmännern leisten auch rund 250 Kameraden/-innen in 9 Zügen der Freiwilligen Feuerwehr ihren ehrenamtlichen Dienst. Eine „Nachwuchsgarantie“ ist durch die Jugendfeuerwehr gegeben, die mittlerweile 10 Jahre erfolgreich arbeitet.

Durch die stetige Präsenz der Berufsfeuerwehr hat sich die Zahl der Einsätze für die Freiwilligen Kameraden, im Gegensatz zu den Anfängen der Wehr, logischerweise verringert. Dies soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir – wenn auch nicht regelmäßig – über Funkmeldeempfänger zu Einsätzen gerufen werden.

Der Alarmierungszeitraum, der mit dem des Lz Süd zusammenfällt wechselt wöchentlich mit den Lz Baukau/Sodingen.

Wie vor 100 Jahren von unsere Vorgängern damit angefangen wurde „berühmte““ Brände aufzuzeichnen, so kann dies der Löschzug Herne-Mitte auch heute noch tun: Brände bei WABO, Schlenkhoff, Kusemann, Ter Hell, Chemische Werke Hüls, Paletten Schulte, Radenbach, der Mühle im Gysenberg, Dachstuhlbrand Hosenhaus Sinn, Baustoffhandlung Kürten, Tabo-Pawlicki und ein Dachdeckerbetrieb an der Altenhöfener Straße – um nur einige zu nennen – oder Einsätze bei Sturmschäden und Überschwemmungen machten unsere Mithilfe erforderlich. Außergewöhnlich auch, dass wir am 20.10.1992 wegen eines Brandstifters in einer Nacht zweimal alarmiert wurden. Dieser zog planlos durch Herne und steckte reihenweise Pkws in Brand.

In jüngster Zeit verschaffte uns Kyrill (Jan. 2007) und der Einsatz beim Entsorgungsbetrieb Kost (Aug. 2007) in Bochum – direkt an der Stadtgrenze zu Herne – viel Arbeit. Über beide Einsätze werden wir noch lange sprechen!

Großbrand Kost 2007

Neben dem normalen „Ausbildungsalltag“ werden unter anderem auch jährlich rund 500 Stunden Brandsicherheitswachen besetzt und im Rahmen der Brandschutzerziehung Kindergärten und Grundschulen besucht.

BI Heinrich Lakomy und BI Thorsten Lesniak

Der Personalbestand des Löschzuges umfasst momentan 25 aktive Männer. Für den Einsatz und die Ausbildung, bei deren Leitung BI Heinrich Lakomy durch seinen Stellvertreter BI Thorsten Lesniak seit Februar 2005 unterstützt wird, stehen dem Löschzug ein LF 8/6 (Bj. 1994),ein LF 16 TS (Bj. 1988) sowie ein GW-T zur Verfügung, die auf dem Gelände an der Germanenstraße (Köhne) untergestellt sind.

Der Amtsvorgänger von Thorsten Lesniak, BI Peter Iwan, ist am 30. Januar 2004 miterreichen des 60. Lebensjahres nach fast 38 aktiven Dienstjahren in die Ehrenabteilung der Feuerwehr Herne überführt worden. Für seine hervorragenden Verdienste um den Löschzug Herne-Mitte wurde er in der Jahreshauptversammlung des Löschzuges gebührend verabschiedet und zum Ehrenmitglied ernannt.

Zum aktuellen Löschzugkommando zählen neben den beiden BI Heinrich Lakomy (LZF) und Thorsten Lesniak (stellv. LZF) die Kameraden Hbm Wolfgang Toffel und Obm Markus Lakomy.

Die persönliche Schutzausrüstung der Männer ist mit der Nomex-Einsatzkleidung auf dem neuesten Stand und bietet somit die notwendige Sicherheit bei unseren Einsätzen.

Am Standort des Löschzuges gibt es seit dem Jahr 1996 Umkleide und Aufenthaltsmöglichkeiten die gemeinsam mit dem Löschzug Süd genutzt werden. Ergänzt wurde das Raumangebot durch Umbauarbeiten unseres Zuges im Jahr 2000 mit einem Aufenthalt-/Schulungsraum. In beide Baumaßnahmen wurden nicht nur finanzielle Mittel des Löschzuges Mitte, sondern insbesondere rund 2.700 Stunden Muskelkraft investiert. Nach der Fertigstellung können wir mit Stolz auf unsere Arbeit blicken!

Bei der Einweihung des Raumes wurden uns vom Kameraden der Ehrenabteilung Gerd Hammelmann († Juli 2007) aus seiner Sammlung alte Feuerwehrgeräte und Dokumente überreicht, die nicht nu

r unseren neuen Raum schmücken, sondern auch einen Teil unserer „Geschichte“ beinhalten und auch so diesen Text möglich machten.

Der Blick auf die vergangenen 130 Jahre unseres Löschzuges soll jedoch mit einem Blick in die Zukunft abgeschlossen werden:

Wir wollen in der heutigen materialistisch geprägten Zeit, mit gesundem Idealismus und in guter Kameradschaft, auch weiterhin zum Schutz und zur Sicherheit der Bürger unserer Stadt verantwortungsbewusst unseren Beitrag leisten!

Bleiben wir also dem Wahlspruch unserer Gründer

„Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr“

auch in Zukunft treu!